Booksmart Kritik: Keine Zeit für Party

Booksmart erzählt die Geschichte von zwei Tennagern, die ihre verpasste Jugend an einem Abend nachholen wollen. Aber klappt das auch und wie gut ist der daraus entstandene Film?

Um was geht’s?

Molly und Amy sind beste Freundinnen und haben die Highschool ziemlich gut gemeistert. Die ehrgeizige Molly ist Jahrgangssprecherin, hat einen Studienplatz an einer renommierten Uni sicher und strebt eine steile Karriere als Juristin an. Auch Amy wurde von einer Eliteuniversität angenommen, will aber zuerst noch in Botswana etwas Entwicklungshilfe leisten.

Als Molly ein Gespräch mit ein paar der beliebten Kids an ihrer Highschool hat, kommt ihr die Erkenntnis, dass sie die ganze Zeit viel zu sehr damit beschäftigt war, sich um ihre Zukunft zu sorgen und zu lernen, dass sie es versäumt hat, ein Teenager zu sein. Zusammen mit Amy will sie in der Nacht des Abschlusses alle Versäumnisse nachholen.

Klingt erstmal wie eine Coming-Of-Age-Komödie, wie wir sie schon oft gesehen haben. Aber der Film von Olivia Wilde, die damit 2019 ihr Regiedebüt feierte, kommt mit einer interessanten Prämisse daher und glänzt vor allem durch seine Hauptdarstellerinnen. Beanie Feldstein (Lady Bird) und Kaitlyn Dever (Unbelievable) haben zwar in Hollywood noch nicht ihren Durchbruch erlebt, konnten in Booksmart aber auf voller Linie überzeugen.

Frische Ideen braucht das Genre

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Auf geht’s in das eigentliche Leben: Molly und Amy wollen an einem Abend alles nachholen, was sie in ihrer Highschool-Zeit verpasst haben. (Quelle: Weltkino)

Booksmart ist keine Filmkomödie wie jede andere. Natürlich ist der Film zunächst mal ein klassischer Coming-Of-Age-Film, er erzählt die Geschichte zweier Jugendlicher, die mit ihren Problemen zu kämpfen haben und sich auf einer Reise der Selbstfindung befinden.

Und eigentlich sind viele der Themen, die der Film aufwirft, gar nicht mal so neu oder frisch. Es geht um Sexualität, Freundschaft, Vertrauen, Selbstakzeptanz und so viel mehr, dass einen Jugendlichen so umtreibt. Aber solche Sachen haben wir ja zuhauf auch schon in anderen Filmen dieser Art erlebt.

Aber ich stehe eben auf solche Art von Filmen, deswegen wollte ich mir auch diesen nicht entgehen lassen. Und obwohl die Geschichte nichts unbedingt Neues erzählt, hat mir ihre Umsetzung dann doch gefallen. Eben nicht wegen der innovativen Erzählung, sondern viel mehr wegen der Inszenierung, die der Film wirklich gut hinkriegt.

Ich kann mit den beiden Mädchen mitfühlen, verstehe ihre Probleme, aber auch die Lösungen, die sie dafür haben. Klar, die beiden handeln nicht immer rational, aber mal ehrlich: Wer macht das in diesem Alter schon? Und gerade dieses Handeln gehört zu einem guten Coming-Of-Age-Film dazu.

Und der Film beschränkt sich ja nicht nur auf dieses Genre, sondern überzeugt vor allem auch durch seine komödiantischen Elemente. Besonders im Kopf geblieben ist mir da eine Szene, als Molly und Amy sich in Puppen verwandeln und plötzlich eine Szene entsteht, die zwar ziemlich lustig ist, aber eben auch eine Aussage über Oberflächlichkeiten und die Gefühle junger Mädchen tätigen will.

Alles in einem also bietet der Film keine neuartige Geschichte oder bricht mit dem Genre und den Klischees, die mit solchen Highschool-Coming-Of-Age-Filmen verbunden werden. Aber er streut neue Elemente mit ein und hat eine ganz eigene Herangehensweise an viele der Themen, die klassischerweise von solchen Filmen abgedeckt werden.

Mädels, ihr seid großartig!

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Zwei Schauspielerinnen, die vermutlich eine große Karriere vor sich haben: Molly, gespielt von Beanie Feldstein und Amy, gespielt von Kaitlyn Dever. (Quelle: Weltkino)

„This is not a time to celebrate, we have to go to a party tonight!”. Mit diesem widersprüchlich lustigen Satz beschließt Molly, Amy davon zu überzeugen, am letzten Abend ihrer Highschool-Laufbahn endlich all die Partys, Exzesse und Erlebnisse nachzuholen, die sie bis jetzt verpasst haben. Denn die beiden waren so damit beschäftigt, ihr späteres Leben inklusive Eliteuniversität zu planen und dafür zu lernen, dass sie vergessen haben, auch mal abseits der Schule zu leben.

Und die beiden Schauspielerinnen, die Molly und Amy verkörpern, sind wirklich genial in ihren Rollen. Sie passen perfekt zueinander, ergänzen sich und die Chemie zwischen den beiden stimmt zu jeder Zeit. Manchmal könnte man ganz vergessen, dass hier gerade eigentlich nur zwei Schauspielerinnen ihren Job machen. Denn die beiden kommen tatsächlich so rüber, als wären sie beste Freundinnen und würden sich schon ewig kennen.

Beanie Feldstein und Kaitlyn Dever sind auch die beiden Gründe, warum für Booksmart aus einem unterdurchschnittlichen Coming-Of-Age-Film dann eben doch noch ein empfehlenswerter Streifen wird. Warum der Rest des Films nicht so toll ist, will ich jetzt noch erklären.

Friede, Freude, Eierkuchen

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Manchmal vielleicht doch etwas zu „drüber“: Das Drehbuch von Booksmart. (Quelle: Weltkino)

Der meiner Meinung nach größte Kritikpunkt am Film ist, dass er zu „glatt“ wirkt. Aber was meine ich damit? Zum Beispiel, dass LGBTQ-Themen und Probleme eines lesbischen Mädchens zwar angesprochen werden, aber viel zu schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Trotz ihres Outings hat Amy mit keinerlei Anfeindungen in ihrem Umfeld zu kämpfen.

Vielmehr wird das Thema im Film kaum angesprochen. Diese Herangehensweise unterminiert nicht nur die tatsächlichen Probleme von Menschen aus der LGBTQ-Community, sondern macht es dem Film auch viel zu einfach, da er sich so nicht wirklich mit dem Thema auseinandersetzen muss, aber immerhin groß damit werben kann, auch marginalisierte Gruppen zu thematisieren. Das hat der sehr ähnliche Film „Love, Simon“ deutlich besser hinbekommen (meine Kritik dazu gibt’s hier).

Auch wird im Film die gesamte Umwelt der Hauptdarsteller ausgeblendet. Aus welchem sozialen Umfeld kommen sie? Inwieweit spielt in der scheinbar heilen Welt ihres Vorstadtlebens Rassismus eine Rolle? Scheinbar gibt es an der Schule der zwei Mädchen noch andere offen homosexuelle Schüler. Aber auf deren Probleme wird überhaupt nicht eingegangen. Sie werden noch eher lächerlich gemacht. Der Film macht es sich in vielerlei Hinsicht viel zu einfach. Probleme werden entweder viel zu schnell abgehandelt oder gar nicht erst thematisiert.

Und was mich auch extrem gestört hat, waren die oft völlig überzogenen Charaktere und Situationen, die in Booksmart auftreten. Ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten, aber als ich zur Schule ging, gab es keine Clique, die Partys im Stil der 1920er Jahre feierte und diese mit einem Krimidinner der Extraklasse verknüpfte. Somit geht im Laufe des Films auch eine gewisse Authentizität verloren. Wir haben zwar zwei fantastische Darstellerinnen, die über viele Probleme des Drehbuchs hinwegschauen lassen, aber im Kern hat der Film eben zahlreiche Probleme, die sich nicht einfach durch gutes Schauspiel kompensieren lassen.

Fazit

Was also bleibt am Ende? Wir haben es bei Booksmart mit einer Coming-Of-Age-Komödie zu tun, die eine vielversprechende Grundprämisse vorzuweisen hat. Die zwei Hauptdarstellerinnen sind fantastisch, man kauft ihnen ihre Rollen zu jeder Zeit ab. Aber während Molly und Amy noch sehr authentisch und nachvollziehbar geschrieben sind, lässt sich das von ihren Mitmenschen nicht behaupten.

Im Grunde ist der Rest des Films voller Klischees und, wenn ich mal ehrlich bin, auch voller Kitsch. Ein Beispiel: Ein eskalierender Streit, der vor einer versammelten Partymeute ausgetragen wird, löst sich ins nichts auf, als die beiden Hauptdarstellerinnen einmal miteinander reden. Auch für ihr Umfeld scheinen die Handlungen der Beiden keinerlei Konsequenzen zu haben.

Und somit stellt sich am Ende die Frage, inwiefern ein besseres Drehbuch den Film aus der authentizitätslosen, klischeehaften Mittelmäßigkeit hätte befreien können. Die zwei Protagonisten und ihre Schauspielkunst hatten auf jeden Fall das Potenzial dazu.

Bewertung

3.5 out of 5 stars

Booksmart gibt es auf Amazon Prime Video zum gucken. Vor einigen Wochen hatte ich zum #filmfreitag schon einen ähnlichen Film besprochen. Meine Kritik zu „Love, Simon“ findet ihr hier. Wenn ihr noch weitere Empfehlungen für den Filmabend am Wochenende braucht, schaut gerne mal in der Kategorie #filmfreitag vorbei, wo es jeden Freitag eine Empfehlung gibt.

Und zum Abschluss: Wie hat euch der Film gefallen? Oder habt ihr ihn noch gar nicht gesehen? Schreibt mir eure Eindrücke gerne in die Kommentare!

4 Gedanken zu „Booksmart Kritik: Keine Zeit für Party

  • Pingback: Godzilla vs Kong Kritik: Stumpfe Monsterkloppe | filmfreitag

  • 27. Juli 2021 um 14:44
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    Fand den damals, als ich ihn gesehen hab, echt fantastisch. Es gibt sicherlich einige Kritikpunkte, aber meine Güte, mir hat er sehr viel Spaß gemacht. Kann natürlich deine Kritik absolut nachvollziehen. Booksmart ist für mich auch nicht der beste Coming of Age Film, kommt aber nahe ran!

    Antwort
    • 27. Juli 2021 um 14:46
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      Danke! Klar, ich find ihn ja auch echt gut. 3,5/5 Punkten ist bei mir obere Mittelklasse, definitv ein guter Film! Aber weil du es geschrieben hast, was ist denn dein Lieblingsfilm aus dem Genre?

      Antwort
      • 28. Juli 2021 um 13:13
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        Also Coming-Of-Age Filme gibts ja viele, aber einer der besten war für mich Lady Bird. Da heult man echt am Ende, weil der so emotional packend ist. Und ich hab ihn mir damals angeschaut, als ich in einer ziemlich schwierigen Situation in meinem Leben war, wo ich mich perfekt mit dem Film identifizieren konnte.

        Antwort

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