Fear Street Kritik: Wie gut ist die Netflix-Trilogie?

Vor Kurzem starteten innerhalb von drei Wochen drei Horrorfilme auf Netflix. Doch wie gut sind die einzelnen Teile der Fear Street-Trilogie eigentlich und lohnen sich die Filme?

Um was geht’s?

Die Fear Street Filme, genauer gesagt Fear Street Teil 1: 1994, Fear Street Teil 2: 1978 und Fear Street Teil 3: 1666, sind Adaptionen der gleichnamigen Romanreihe von R.L. Stine. Die Filme ordnen sich am ehesten in das Genre der Horrorthriller ein und erinnern sehr stark an Stranger Things, Scream oder Freitag der 13.

Dabei ist die Handlung von allen drei Filmen zusammenhängend, nur die Protagonisten unterscheiden sich bei den jeweiligen Filmen etwas. Wie schon die Jahreszahlnamen hinter den Titeln der einzelnen Streifen suggerieren, spielen die Filme der Fear Street-Reihe zu unterschiedlichen Zeiten und bieten deshalb einiges an Abwechslung.

Dabei verstehen sich die Filme auch immer als Hommage an Klassiker des Horrorfilm- und Slashergenres. Ob das wirklich immer so gut klappt, will ich jetzt herausfinden. Dazu betrachte ich alle drei Filme und gebe jeweils eine Kurzkritik mit Bewertung zu jedem einzelnen. Wenn ihr auf etwas ruhigere Horrorfilme steht, schaut euch doch mal meine Kritik zu A Quiet Place oder A Quiet Place 2 an.

Fear Street Teil 1: 1994

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Genialer Slasher oder langweilige Kopie? Fear Street 1994 ist leider eher letzteres. (Quelle: Netflix)

Mit dem ersten Teil der Horrorfilmreihe werden uns erst mal die wichtigsten Handlungsorte, an denen übrigens alle drei Filme spielen werden, vorgestellt. Wir lernen einige Teenager und junge Erwachsene kennen, die in der Kleinstadt Shadyside in der berüchtigten Fear Street leben.

Dort kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu Mordserien. Die Stadt gilt als Verbrechenshochburg der USA, während der Nachbarort, Sunnyvale, keine Verbrechen aufweist und einen der höchsten Lebensstandards des Landes hat. 1994 tötet der Angestellte Ryan Torres in einem Einkaufszentrum sieben Menschen, darunter seine Freundin, die Schülerin Heather. Schließlich wird er von einem Polizisten erschossen.

Und damit beginnt der erste Teil der Reihe, der sich um einen mysteriösen Mörder, ein paar nervige Teenager und eine Slasherparodie der Extra- (Schund)klasse dreht. Der erste Teil der Fear Street-Reihe ist tatsächlich auch der schwächste. Der Film hat zwar einige lustige, schräge und spannende Momente zu bieten, wie etwa die einzelnen Morde, die wunderbar in Szene gesetzt werden. Aber im Großen und Ganzen ist Fear Street Teil 1: 1994 eine billige Kopie von Scream und Stranger Things.

Klar, der Film will in gewisser Weise eine Parodie auf das Slashergenre sein. Diese Parodie hat aber schon 1996 Wes Craven mit Scream abgeliefert, einem deutlich besseren und vor allem intelligenteren Film. Fear Street dagegen meint, mit ein paar billigen Jump Scares und lustigen Mordszenen einer so genialen Horrorkomödie wie Scream das Wasser reichen zu können. Aber das klappt mal so gar nicht.

Für mich hat sich der erste Teil dieser Trilogie tatsächlich mehr wie ein Fernsehfilm angefühlt, was er, wenn wir mal ehrlich sind, ja auch ist, da er schließlich auf Netflix veröffentlicht wurde. Aber vom Streaming-Anbieter ist man normalerweise besseres gewohnt. Einzig die Schauspieler sind ganz in Ordnung und spielen auch in den weiteren Filmen noch eine Rolle, der Rest ist aber schnell wieder vergessen.

Bewertung: 1.5 out of 5 stars

Fear Street Teil 2: 1978

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Camp Nightwing begrüßt die Zuschauer bei Fear Street Teil 2 zu einem Slasherfest der Extraklasse. (Quelle: Netflix)

Der zweite Teil hat da schon deutlich mehr zu bieten. Im Jahr 1978 findet in Shadyside das alljährliche Camp Nightwing statt, ein großes Ferienlager für alle Altersgruppen. Als aber eine Betreuerin austickt und einen Teenager angreift, kippt die Stimmung im Lager. Als dann auch noch der coole Betreuer von mysteriösen Mächten zum Mörder gemacht wird und das ganze Camp umbringen will, erleben wir einen waschechten Slasherfilm.

Fear Street Teil 2: 1978 verbindet die Elemente von Freitag der 13. mit Teenagerdramen und Hexenhorror und erschafft dabei einen ziemlich spaßigen, wenn auch stumpfen Horrorslasher. Wie auch schon der erste Teil der Reihe begreift sich auch Teil 2 als Parodie und Hommage an Klassiker des Genres. Und im Gegensatz zu Teil 1 klappt das diesmal deutlich besser.

Nicht nur machen die Dynamiken zwischen den einzelnen Charakteren Spaß, auch Kamera, Schnitt und Sound passen besser als noch beim Vorgänger. Und natürlich ist auch dieser Film voller Klischees, aber die stören nur selten, da man eh durch die Abwechslung und den Mix aus Action, Horror und Teenie-Romanze genug abgelenkt wird.

Und auch die Schauspieler sind wieder gut ausgewählt. Diesmal hat’s sogar ein bekanntes Gesicht aus Stranger Things in den Cast geschafft. Als eine der Protagonistinnen mach Sadie Sink ihre Sache echt gut. Und auch der Rest des Cast ist mindestens obere Mittelklasse, was für so eine Filmreihe schon etwas aussagt.

Trotzdem darf man natürlich kein Meisterwerk erwarten. Wieder werden zahlreiche Dinge, die wir schon aus besseren Filmen kennen, wiederverwertet und aufgegriffen. Wieder gibt es unlogische Szenen, in denen man die Protagonisten gerne durch den Fernseher anschreien würde. Und wieder gibt es bessere Alternativen für den Film, die die Existenzberechtigung in Frage stellen.

Bewertung: 2.5 out of 5 stars

Fear Street Teil 3: 1666

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Im dritten Teil der Fear Street-Reihe begeben wir uns ins Amerika des 17. Jahrhunderts. (Quelle: Netflix)

Kommen wir zum großen Finale der Trilogie. Der letzte Teil von Fear Street spielt im Jahr 1666 bzw. wieder 1994 und will alle Teile zusammenbringen und auflösen. Dabei begeben wir uns in der ersten Hälfte ins New World-Amerika des 17. Jahrhunderts. Zwei junge Frauen werden dabei erwischt, wie sie sich küssen und fortan als Hexen gejagt.

Dabei fängt die erste Hälfte des dritten Teils von Fear Street die Atmosphäre eines Jahres 1666 im neuen Amerika leider nicht so gut ein. Zwar sind Kostüme und das Makeup sowie die Setpieces ganz gut gemacht, wirken allerdings oft etwas künstlich. Auch die Farbsetzung des Films ist nicht optimal gewählt. Und die Geschichte nutzt sich ja schon seit Teil 1 kontinuierlich ab.

Wir haben es nämlich wieder mit einem besessenen Mörder zu tun, der natürlich irgendwie gestoppt werden muss. Und wenn wir dann in der zweiten Hälfte des Films wieder ins Jahr 1994 springen, wo alles begann, wird es erst recht absurd: Jetzt treffen alle möglichen Slasher der letzten Teile aufeinander und es stellt sich heraus, wer wirklich hinter allem steckt. Aber das will ich jetzt nicht verraten, obwohl es eigentlich ziemlich offensichtlich und stumpf ist.

Auch der dritte Teil bedient sich wieder an allerhand Horrorklassikern, die entweder billig kopiert oder in schlecht neu interpretiert werden. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Schauspieler sind ganz ok, aber halt auch nichts Spezielles. Insgesamt konnte mich auch der dritte Teil leider nicht wirklich überzeugen.

Bewertung: 2 out of 5 stars

Fazit

Genau wie ich den dritten Film der Trilogie gerade zusammengefasst habe, kann man im Prinzip auch die ganze Trilogie zusammentragen: Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Für sich genommen funktionieren die Filme, bis auf den zweiten Teil in Grenzen, nicht wirklich. Aber auch zusammengenommen kommt keine überzeugende Horrorfilmreihe dabei raus.

Die einzelnen Filme bedienen sich exzessiv an Klassikern wie Freitag der 13., Nightmare on Elm Street oder Scream. Aber sie bringen nichts Neues mit ein und stecken noch dazu voller Klischees. Deswegen muss sich letztendlich die Frage gestellt werden, für wen diese Filme eigentlich gemacht wurden. Denn etwas ähnliches gab es schon.

Und selbst wenn man argumentiert, dass das eben die Klassiker für eine neue Generation sind, würde ich dagegen halten, das auch diese neue Generation mit den alten Filmen besser aufgehoben wäre.

Die besseren Alternativen

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Eine gute Alternative zum dritten Teil der Fear Street-Reihe. The Witch von Robert Eggers. (Quelle: A24)

Ich habe ja jetzt einige Filme aufgezählt, an denen sich die Fear Street-Trilogie bedient hat. Deswegen will ich noch mal für jeden einzelnen Teil die Alternativen benennen, die man sich meiner Meinung nach anschauen sollte, wenn man genau auf die Themen und Genres steht, die Fear Street abdeckt, nur halt in besser.

1994:

Bessere Alternativen für den ersten Teil sind entweder direkt ein Slasher-Klassiker wie Halloween (1979) oder Nightmare on Elm Street (1984). Oder man sieht sich die echt gute Netflix-Serie Stranger Things (2016) an, die sich auch als Hommage an zahlreiche Filmklassiker sieht, aber diese viel besser verarbeitet als Fear Street. Vor allem die erste Staffel ist da zu empfehlen. Und natürlich ist Scream (1997) für alle interessant, die eher auf eine Horrorkomödie Lust haben.

1978:

Obwohl der zweite Teil von Fear Street nicht wirklich schlecht ist, gibt es bessere Alternativen. Offensichtlich ist da natürlich Freitag der 13 (1978). Dort hat man es mit fast dem gleichen Setting zu tun, nämlich einem Tennie-Camp mitten im Nirgendwo und einem verrückten Mörder. Aber mein Geheimtipp, wenn es nicht unbedingt ein Klassiker sein muss, ist hier The Final Girls (2015). Der Film hat nämlich noch einen ganz speziellen Kniff. Man sollte sich nur nicht vom Poster oder der Aufmachung abschrecken lassen. Den Film gibt es auf Netflix.

1666:

Wer auf New World-Horror ala 17. Jahrhundert mit Hexen und dem Teufel steht, der wird wohl The Witch (2015) besser mögen als Fear Street Teil 3. Der Film von Robert Eggers (Der Leuchtturm) handelt von einem Mädchen, gespielt von Anya Taylor-Joy (Das Damengambit, Split), das von ihrer einsam lebenden Familie fälschlicherweise für eine Hexe gehalten wird.

Habt ihr noch weitere Alternativen? Schreibt sie gerne in die Kommentare! Wer abseits von Horror eher einen Katastrophenfilm vorzieht, dem lege ich The Impossible ans Herz. Meine Kritik dazu gibt’s hier.

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7 Gedanken zu „Fear Street Kritik: Wie gut ist die Netflix-Trilogie?

  • 31. August 2021 um 23:31
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    Ehrlich gesagt, verstehe ich die Kritik hier nicht.
    Sicherlich gibt es immer etwas Besseres, Spannnderes und Atemberaubendes. Aber für jemanden wie mich, der jetzt nicht total im Genre drin steckt und das Geburtsdatum jedes Nebendarstellers auswendig kennt, sind die Filme wirklich gelungen. Bisschen Liebe, bisschen Drama und viel Blut. Ich fand die Filme gut.

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    • 1. September 2021 um 14:39
      Permalink

      Klar, an sich machen die Filme sicherlich dem ein oder anderem Spaß. Mir eben nicht, und dafür gibt es auch Gründe, die ich ja im Beitrag aufgeführt habe. Und zusätzlich ging es mir auch darum, vielleicht alternative Filme aufzuzeigen, die ähnliche Themen aufgreifen, aber in ihrer Umsetzung einfach deutlich besser sind (wie eben z.B. The Witch).

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  • Pingback: Game of Thrones: Die besten Staffeln der HBO-Serie | filmfreitag

  • 27. Juli 2021 um 1:23
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    Ich fand die Idee und die Umsetzung recht gelungen. Und ich bin nach wie vor der Meinung, wer keine Unterhaltung mag, es gibt den Ausschaltknopf. Ich fand mich gut unterhalten und hab die 3 Teile echt gern geschaut.

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    • 27. Juli 2021 um 14:18
      Permalink

      Da gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen, was denn jetzt gute Unterhaltung ist. Für mich gibt es einfach bessere Filme, die sehr ähnlich sind, denen Fear Street aber absolut nicht das Wasser reichen kann!

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  • 23. Juli 2021 um 21:31
    Permalink

    Habe bislang nur den ersten Teil gesehen. Ich frage mich, warum wirklich jeder Slasher-Film diese zutiefst unsympathischen, arschigen Jugendlichen haben muss, die es entweder besonders lustig finden, den Hauptdarsteller alle paar Minuten mit dümmlichen Scherzen zu „erschrecken“ oder einfach nur ausgesprochene Soziopathen sind. Nach einigen Minuten mit den Stereotypen hatte ich schon fast keine Lust mehr, weiter zu schauen.

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    • 24. Juli 2021 um 13:01
      Permalink

      Ja, das Problem kenne ich auch. Warum zur Hölle schleichen sich irgendwelche Leute an den Protagonisten an, nur um dann irgendwelche irrelevanten Dinge von sich zu geben? Ich mein, macht es doch wie jeder normale Mensch und kündigt euch an, anstatt den Protagonisten zu erschrecken, wenn er in der Situation eh schon schreckhaft ist???

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