House of the Dragon Folge 1: Funktioniert die Rückkehr nach Westeros?


Für manch einen lange erwartet, für viele andere nach Staffel 8 der Mutterserie nur mit gemischten Gefühlen herbeigesehnt: Die erste Staffel von House of the Dragon ist da und erzählt die Vorgeschichte des Hauses Targaryen. Wie gut ihr das gelingt, erfahrt ihr in meiner Vorab-Kritik und Analyse zur allerersten Folge.

Erwartungen bis ins Unermessliche

House of the Dragon Daemon Targaryen
Macht auch ihr es euch bequem für diese Folgenbesprechnung zu House of the Dragon!

HBO ist schon mutig: Nachdem man die achte Staffel von Game of Thrones so dermaßen in den Sand gesetzt hat, traut sich der US-Kabelsender jetzt trotzdem, mit neuem Stoff aus der Welt von Eis und Feuer um die Ecke zu kommen. Und noch dazu in direkte Konkurrenz zu Amazons Mega-Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ zu gehen.

Dementsprechend waren meine Erwartungen zur neuen Serie House of the Dragon natürlich astronomisch. Wer meinen Blog schon etwas länger verfolgt oder mal einen Blick in den entsprechenden Themenbereich wirft, wird schnell erkennen, dass ich ein riesiger Fan der Mutterserie Game of Thrones bin. Als nach dem enttäuschenden Ende dieser Serie dann ein Prequel angekündigt wurde, war ich erstmal skeptisch.

Wie soll das noch funktionieren, wenn man eh schon weiß, wie schlimm es um das Ende des Serien-Universums bestellt ist? Klar, meine Hoffnungen lagen und liegen immer noch in den Büchern von George R.R. Martin, die das Lied von Eis und Feuer hoffentlich befriedigender abschließen. Aber jetzt mit einer Vorgeschichte zum Drachenhaus Targaryen um die Ecke zu kommen, war schon mutig.

Mutig und verdammt nochmal richtig! Denn zumindest die erste Folge von House of the Dragon konnte mich persönlich komplett überzeugen, auch wenn an einigen Stellen noch das i-Tüpfelchen fehlt. Aber der Reihe nach…

Die Erben der Drachen

house of the dragon harrenhal
In Harrenhal beginnt die erste Folge der Serie. Der alternde König hat keine Erben und will deswegen die hohen Lords und Ladys wählen lassen.

„Das Einzige, was das Haus des Drachen zu Fall bringen konnte, war es selbst“. Mit diesen Worten leitet die Serie in ihre erste Folge ein. Und ich liebe es ja immer, wenn in einem Film oder einer Serie der Name ebenjenes oder ebenjener direkt genannt wird. House of the Dragon schafft es aber nicht nur, durch diese Worte Gänsehaut zu erzeugen. Sie bedeuten auch viel für die zukünftige Handlung und geben einen Vorgeschmack darauf, was uns im Tanz der Drachen erwarten wird.

Der alternde König Jahaerys Targaryen hat keinen Thronfolger und veranstaltet deshalb den Großen Rat von Harrenhal, bei dem hunderte der wichtigsten Lords und Ladys aus ganz Westeros den Nachfolger des friedvollen Königs wählen sollen. Zwei Kandidaten schaffen es in die „Endrunde“: Viserys und Rhaenys. Der eine ein Mann, die andere eine Frau. Und wie diese Frau schon im Trailer zu House of the Dragon sagt, soll „keine Frau den Eisernen Thron besteigen“.

Und so kommt es auch, Viserys wird Erbe des Königs und Rhaenys fortan die „Königin, die niemals war“ genannt. Schwarzblende. Dreiköpfiges Drachenlogo als Intro zur Serie. Wer jetzt verwirrt ob der Vielzahl an Namen ist, dem kann ich mein Special zu allen wichtigen Figuren von House of the Dragon ans Herz legen, wo ich die neun spannendsten Charaktere vorstelle.

Nach dem Intro erwartet uns erstmal ein gewaltiger Zeitsprung von mehr als zehn Jahren, Viserys sitzt mittlerweile fest im Königssattel. Seine Tochter Rhaenyra ist jedoch bis jetzt die einzige Nachfahrin, ein männlicher Erbe konnte noch nicht hervorgebracht werden. Und damit kommen wir auch schon zum Hauptkonfliktpunkt, der wohl einen Großteil der Serie einnehmen wird: Später in der Folge ernennt König Viserys seine Tochter zur Thronerbin und verärgert damit seinen eigenen Bruder, Daemon Targaryen. Die Saat für den Tanz der Drachen ist gepflanzt.


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Eine glanzvolle Rückkehr nach Westeros

House of the Dragon sieht hervorragend aus. Königsmund, die Hauptstadt der Sieben Königslande, wird episch und gleichzeitig bodenständig in Szene gesetzt. Die mittelalterliche Stimmung kann unglaublich gut transportiert werden, allen voran das Turnier in der Mitte der Folge lässt Erinnerungen an Staffel eins der Mutterserie aufkommen. Farbenfrohe Wappen, dreckige Rüstungen und realistische Kostüme.

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All das macht House of the Dragon zu einer Serie, die schöner nicht sein könnte. Selbst die Drachen haben mich, trotz anfänglicher Zweifel, letztendlich doch überzeugt und was wir von ihnen bisher zu sehen bekamen, macht definitiv Lust auf mehr. Auch wenn meiner Meinung nach natürlich nicht die Drachen, sondern Hofintrigen, Dialoge, Charaktermomente und Atmosphäre ausschlaggebend sein werden für die Qualität der Serie.

Und die Atmosphäre ist in dieser ersten Folge definitiv vorhanden. Schon ganz am Anfang, wenn Rhaenyra zusammen mit Alicent den Roten Bergfried entlang rennt und an Höflingen, Bediensteten oder Soldaten vorbeihuscht, werde ich direkt wieder in diese faszinierende Welt von Westeros entführt.

Wenn dann auch noch der unschlagbare Soundtrack von Ramin Djawadi einsetzt, schmilzt mein Fan-Herz natürlich dahin. Erstmals sehen wir auch die Drachengrube, die wir bis jetzt nur in ihrer zerstörten Form aus den letzten beiden Staffeln von Game of Thrones kennen. Dorthin fliegt Rhaenyra ganz am Anfang mit ihrem Drachen Syrax. Der wird dann von den Drachenwächtern in die Grube geführt, um niemanden in der Millionenstadt Königsmund zu gefährden.

Das Kindsbett ist unser Schlachtfeld

House of the Dragon Folge 1
König Viserys tut sich schwer, einen Erben zu zeugen. Seine Frau Emma Aryn ist zu Beginn von House of the Dragon gerade hochschwanger.

Noch während der ersten Minuten von House of the Dragon stirbt auch schon die erste wichtige Figur der Serie: Während draußen das Spektakel rund um ein aufwändiges Ritterturnier tobt, schreit Emma Aryn im Kindsbett um Hilfe. Ihre Hilfe kommt in Form von König Viserys recht spät, er musste schließlich das Turnier zu seinen Ehren mitverfolgen.

Wie Emma schon zuvor kundtut ist für die hochgeborenen Frauen in Westeros allerdings nicht das Ritterturnier oder irgendein Krieg der hohen Lords das Schlachtfeld, sondern das Kindsbett, auf dem sie fleißig Erben gebären sollen.

Viserys ist in diesem, ihrem Kindsbett jedoch keine sonderlich große Hilfe, sondern vielmehr der Sargnagel auf dem eh schon gezimmerten Sarg der Königin. Nach fünf Kindern, die entweder schon während der Geburt oder kurz danach verstarben, gibt Emma sich selbst und dem König eine letzte Chance, einen Erben zu zeugen. Diese Chance wird allerdings zunichte gemacht, als der Großmaester Viserys vor eine unmögliche Wahl stellt: Opfere die Mutter und lass das Kind leben oder sehe dabei zu, wie beide sterben.

Viserys entscheidet sich für Ersteres, unter Tränen und verwirrten, gar unverständlichen Schreien seiner Gemahlin. So war das Mittelalter nun mal, mag jetzt mancher sagen. Ja, so mag es gewesen sein. Und trotzdem zeigt sich durch diese eine, übrigens durch Gegenschnitte zum sich anspannenden Turnier perfekt inszenierten, Szene mehrere Dinge überdeutlich: Viserys will um jeden Preis einen Erben, ignoriert und vernachlässigt dabei seine eigene Tochter und führt letztendlich durch eine eigentlich richtige Entscheidung einen blutigen Bürgerkrieg herbei.

Das menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst

Was will ich mit all den Worten sagen? Eigentlich nur eine Sache: House of the Dragon ist verdammt gut geschrieben. Wir haben endlich wieder dreidimensionale, vor echte, nachvollziehbare Herausforderungen gestellte Charaktere. Charaktere, die mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben müssen. „Das menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst“ ist die einzige Sache, über die es Wert ist, zu schreiben.

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Das Zitat ist von Faulkner und George R.R. Martin zitiert ihn oft. Für ihn ist dieser innere Konflikt das zentrale Mittel, um seine Geschichten zu erzählen. Die ersten Staffeln von Game of Thrones blieben dieser Philosophie treu. Danach wurde es düster. Doch House of the Dragon belebt das menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst wieder.

Daemon Targaryen, Rhaenyra Targaryen, Viserys Targaryen, Otto Hohenturm. Sie alle haben Ziele und Interessen, sie alle kommen diesen Zielen und Interessen auf die eine oder andere Weise immer näher. Und sie alle verhalten sich dabei nie moralisch komplett gut oder unausstehlich schlecht. Sie sind „graue“ Charaktere.

In der achten Staffel von Game of Thrones waren die Rollen der Guten und Schlechten Menschen klar verteilt. House of the Dragon könnte das – hoffentlich – anders machen.

Fazit & Bewertung

Wie so oft gilt nach einer Folge einer neuen Serie: Abwarten und Tee trinken. Die erste Folge von House of the Dragon ist, auch wenn das meine überschwänglichen Worte manchmal vermuten lassen, nicht perfekt. So kann ich beispielsweise momentan noch nicht so ganz verstehen, warum man durch das „Lied von Eis und Feuer“ zwanghaft eine Referenz zu Game of Thrones herstellen musste. Der Dolch, den König Viserys trägt, gehört später auch Kleinfinger und Bran wird in der ersten Folge der Mutterserie fast damit erstochen.

Der angebliche Traum von Aegon, dem Eroberer von der Langen Nacht und einem Ewigen Winter mag vertraut klingen, hat aber meiner Meinung nach in dieser ersten Folge nichts zu suche. Der Dialog zwischen Viserys und seiner Tochter Rhaenyra wirkt gezwungen und unorganisch. Fast wie eine After-Credit-Szene in einem Marvel-Film.

Auf dieses Niveau sollte sich House of the Dragon nicht herunterbegeben. Und trotzdem: Mit dem Einstand der Fantasy-Serie wurde meine Liebe für das Universum von Eis und Feuer neu geweckt. Auch wenn Game of Thrones noch so viele offene Wunden mit den letzten Staffeln hinterlassen hat, macht mich diese erste Folge zumindest hoffnungsvoll auf Zukünftiges! Valar Morghulis.

House of the Dragon erscheint jeden Montag auf Sky/WOW bzw. HBO Max.

© Copyright aller Bilder bei HBO/Warner Bros.


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