M3GAN Filmkritik: Ein guter Horrorfilm für alle, die noch nie einen guten Horrorfilm gesehen haben!

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Mit M3GAN bringt Blumhouse (Get Out, Insidious) einen neuen Puppen-Horror in die deutschen Kinos. Neben Chucky oder Annabelle reiht sich Megan, die KI-Puppe aus dem gleichnamigen Film in eine ganze Reihe ähnlicher Filme ein – und ist eigentlich nur für all jene ein guter Film, die noch nie einen guten Film gesehen haben…

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Um was geht’s?

Als Cady (Violet McGraw) in jungen Jahren ihre beiden Eltern bei einem Autounfall verliert, soll sie zukünftig bei ihrer Tante aufgezogen werden. Die arbeitet bei einem Spielzeugunternehmen als Produktentwicklerin. Und wie es sich so schön trifft, ist sie gerade dabei, eine neuartige Puppe für einen Testlauf fertigzustellen.

Wer würde sich da als Beta-Tester also besser eignen als Cady, die als Einzelkind Probleme hat, Freundschaften zu schließen und Anschluss in der Schule zu finden. Die Puppe, die Gemma (Allison Williams) entwickelt hat, ist eigentlich eine Künstliche Intelligenz und kann wie ein echter Mensch mit Kindern agieren. Nur stellt sich schon bald heraus, dass der Beschützerinstinkt der Puppe wohl etwas zu weit geht…


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Filmkritik zu M3GAN: Soll das ein Horrorfilm sein?

Wer schon mal einen Horrorfilm gesehen hat oder auch nur annähernd mit der Materie vertraut ist, wird allein schon durch die Inhaltsangabe schnell merken, worauf die ganze Sache hinauslaufen dürfte. M3GAN ist ein recht klassischer Puppen-Horrorfilm, der zwar gerade auf Tiktok viral geht, deswegen aber noch lange kein guter Film ist.

Denn eines der wohl größten Probleme der neuen Blumhouse-Produktion, die ja durchaus bekannt für ihre Low-Budget-Horrorfilme sind, ist wohl, dass der Film gar nicht gruselig ist. Wir haben es hier mit einem angeblichen Horrorfilm zu tun, der die meiste Zeit über aber entweder ein ziemlich aufgesetzter Kommentar auf die moderne Technik oder ein Charakterdrama über eine Tante und ihre Nichte ist.

Zu keinem Zeitpunkt aber gruselt man sich. Und das, obwohl der Film doch als “einer der gruseligsten Filme des Jahres” vermarktet wird. Beim Endprodukt jedenfalls merkt man davon nichts. Das liegt zum einen daran, dass die Story rund um die Mörderpuppe Megan erst im zweiten Teil des Film so richtig Fahrt aufnimmt und damit über 45 Minuten an Zeit erstmal verschenkt werden.

Zum anderen ist aber auch die Story rund um eine Künstliche Intelligenz in Form einer sinistren Puppe ziemlich plump und für jeden, der auch nur einmal im Leben einen Horrorfilm oder überhaupt einen Film gesehen hat, unglaublich vorhersehbar. Übrig bleibt dann nur ein halbgares Charakterdrama rund um Gemma und Cady und ein interessanter, wenn auch etwas zu kurz kommender Blick auf unseren Umgang mit Künstlicher Intelligenz und das Verhältnis zu Kindern.

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Ich will die ungeschnittene Version!

Wenn M3GAN schon nicht durch gruselige Atmosphäre oder erschreckende Momente punkten kann, dann doch wenigstens mit ein paar richtig schönen blutigen Szenen, wie es sich für einen Slasher gehört? Nein, leider kann der Film von Gerard Johnstone (Housebound) auch damit nicht aufwarten.

Denn seine Altersfreigabe von gerade einmal zwölf Jahren steht dem Film im Weg. Durch diese niedrige Freigabe kann die Kamera eigentlich nie draufhalten, wenn die Mörderpuppe mal wieder einen unschuldigen Menschen dem Erdboden gleich macht. 

Da wird dann immer irgendwie angedeutet, was für ein Schlachtfest M3GAN gerade veranstaltet und mit welchen Werkzeugen sie ihre Opfer zerstückelt. Zu Gesicht bekommen wir als Zuschauer das allerdings nicht. Und das ist furchtbar schade! Denn da M3GAN schon kein richtiger Horrorfilm sein will, hätte es doch wenigstens zum guten Slasher reichen sollen, oder?

Immerhin einen Hoffnungsschimmer gibt es: Angeblich ist bei Blumhouse schon eine ungeschnittene Version des Horrorstreifens in Arbeit. Nur hätte diese Version eigentlich schon zum Kinostart am… nunja, Start sein sollen.


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Was macht Künstliche Intelligenz mit unseren Kindern?

Eine Sache, die den Film für mich ein wenig gerettet hat, war die spannende Grundprämisse rund um Künstliche Intelligenzen und was das für uns Menschen bedeutet. Klar, all das wurde von anderen Filmen ebenfalls schon oft behandelt, und meistens sogar besser. Trotzdem konnte ich der Thematik im Film doch etwas abgewinnen.

Zum einen will M3GAN uns die vielen Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz vor Augen führen. Meistens denkt man dabei ja eher an Tools, die das Leben von Erwachsenen erleichtern können. So ist seit Kurzem etwa der Chatbot “chat gtp” in aller Munde, der funktionierenden Code programmieren oder ganze Hausarbeiten schreiben kann.

Dass Künstliche Intelligenz in Zukunft auch für die Erziehung unserer Kinder eine wichtige Rolle spielen kann, haben wohl die wenigsten auf dem Schirm. Und dabei porträtiert der Film in Form von M3GAN gar nicht mal unbedingt die Zukunft, sondern die Gegenwart: Das Leben von Kindern wird heutzutage oft schon von Kindheitstagen an von Technik begleitet und viele Eltern sehen diese Technik häufig als bequeme Methode, um ihre Kinder ruhig zu stellen. 

Dass damit aber wohl die allerwenigsten, gerade persönlichen Probleme und Sorgen von Kindern gelöst sind, dürfte den meisten klar sein. Und im Film schafft nicht mal eine Künstliche Intelligenz in Form einer Puppe, die sich eigentlich – zumindest anfangs – wie eine Kombination aus ganz normalem Kind und Beschützin verhält, das, zu dem Eltern im Stande sind – nämlich nachhaltig emotionale Nähe zu stiften.

Letztendlich wird das Thema im Film aber auch nur recht oberflächlich angeschnitten und lässt echte Tiefe vermissen. Gerade Streifen wie Ex Machina haben in den letzten Jahren ja durchaus bewiesen, was sich aus der Thematik herausholen lässt. 

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Megan ist fantastisch, M3GAN aber nicht

M3GAN Horror Puppe Kritik

Die wohl wichtigste Rolle in jedem Puppen-Horrorfilm spielt natürlich die Puppe selbst. Und die ist hier in M3GAN wirklich erstklassig umgesetzt. Sie fühlt sich so unecht an, dass wir als Zuschauer dem Film jederzeit abkaufen, dass das eine Puppe ist.

Nur dass diese Puppe eben zum Leben erweckt wird. Obwohl ich vorhin geschrieben habe, dass der Film überhaupt nicht gruselig ist, muss ich das hier zumindest teilweise revidieren: Denn vor M3GAN, also der Puppe selbst, würde ich mich wohl schon fürchten, wenn sie plötzlich im dunklen Gang vor mir steht.

Dass mir das so ergeht, lässt sich recht einfach erklären: Die Puppe wirkt so echt, dass sie schon wieder unecht ist. Wie die Augen aussehen, wie sich der Mund bewegt, all das spielt eine Rolle. Und im Laufe des Films sehen wir Megan auch immer wieder auf äußerst verstörende Art und Weise laufen. 

Das hat mich nicht nur einmal an ein gewisses Level aus dem Videospiel Resident Evil Village erinnert, das ich übrigens auch hier für die PCGames besprechen durfte. Der Film schafft es also durchaus, eine ikonische Horrorfigur zu erschaffen. Dass das klappt, hat man ja unter anderem auch daran gesehen, dass das ikonische Aussehen von M3GAN auf Tiktok viral ging und auch eine ganz spezielle Tanzeinlage der Horrorpuppe schnell zum Internethit wurde.


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Solide Technik, unpassender Humor

Übrigens versucht M3GAN auch an einigen Stellen Humor einzubauen. Das funktioniert allerdings nur ganz selten und wirkt in den meisten Momenten unpassend. Und das nicht, weil die Witze nicht funktionieren würden. Sondern eher deshalb, weil sie immer zum falschen Zeitpunkt eingestreut werden.

Um noch kurz auf die Technik des neuen Blumhouse-Films einzugehen, kann ich mich eigentlich nur wiederholen: Die Puppe ist mit viel Tricktechnik hervorragend umgesetzt und wird nächstes Halloween bestimmt für das ein oder andere Kostüm herhalten dürfen. Auch die Kameraarbeit und die audiovisuelle Untermalung sind solide, aber auch nichts besonderes. 

Der Film hat aber auch nur zwölf Millionen Dollar gekostet, also darf man da jetzt keine Unterhaltung ala Avatar: The Way of Water erwarten. So etwas braucht ein Puppen-Horrorfilm im Stile von M3GAN aber auch gar nicht.

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Fazit & Bewertung

M3GAN ist ein durchaus unterhaltsamer und kurzweiliger Horrorfilm, der zwar an keiner Stelle wirklich gruselig ist, dafür aber mit einer gekonnt in Szene gesetzten Puppe und ein paar spannenden Thematiken punkten kann.

Nur leider werden diese Thematiken meist nur recht oberflächlich angeschnitten und nicht wirklich zu Ende gedacht. Kamera, Schnitt und Ton sind solide umgesetzt, die Schauspieler haben mir recht gut gefallen, auch wenn man hier natürlich keine meisterlichen Performances erwarten kann.

Alles in allem ist M3GAN also für Genre-Fans durchaus einen Blick wert. Und wer noch nie einen Puppen-Horrorfilm ala Chucky oder Annabelle gesehen hat, der wird mit dem neuen Blumhouse-Projekt sicher auch seinen Spaß haben. Allen anderen empfehle ich an dieser Stelle ebenfalls einen Horrorfilm, der erst vor Kurzem seine Premiere feierte: Bodies Bodies Bodies. Auch hier werden aktuelle Themen aufgegriffen, meine Kritik findet ihr hier.

Aber jetzt zu euch: Habt ihr den Film schon gesehen? Und wenn ja, wie hat er euch gefallen? Schreibt das gerne Mal in die Kommentare! Übrigens hab ich letztes Jahr zu Halloween eine Liste an fünf Horrorfilmen aufgeschrieben, die ihr vielleicht noch nicht auf dem Schirm hattet. Schaut da gerne mal rein, vielleicht ist ja was für euch dabei!


M3GAN ist ein solider Puppen-Horrorfilm. Für Kenner wird er wenig neues bieten und die meiste Zeit über ist der Film auch nicht wirklich gruselig. Die Puppe wurde aber hervorragend umgesetzt und der Film schneidet durchaus interessante Thematiken an, die er aber nie zu Ende denkt.

Bewertung:

2,5


M3GAN startet am 12. Januar 2023 in den deutschen Kinos.

© Copyright aller Bilder bei Blumhouse Productions.


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Lukas Egner

Ich bin der Gründer von filmfreitag und schaue leidenschaftlich gerne Filme und Serien aus jedem Genre. Ich bin 21 Jahre alt, studiere momentan Politik- und Medienwissenschaften und schreibe als freier Autor für verschiedene Film- und Videospielmagazine.

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2 Kommentare
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Hosch
Hosch
2. Februar 2023 13:28

Megan FSK12? Ist FSK16 meines Wissens. Es soll eine Unrated mit FSK 18 fürs Heimkino kommen.Mit der Cut Version und der damit erfolgten FSK16 will man im Kino mehr Publikum erreichen und damit mehr Einnahmen generieren.So der eigentlich bekannte Plan von Blumhouse

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