Pig Filmkritik: Nicolas Cage erfindet sich neu


Im hochgelobten Film Pig zeigt Nicolas Cage endlich mal wieder, was er wirklich kann. Der Film fängt an wie John Wick, ist aber genau das Gegenteil davon!

Um was geht’s?

Robin Feld (Nicolas Cage) lebt alleine und zurückgezogen im Wald. Nur sein Trüffelschwein teilt die Tage mit ihm. Immer mal wieder bekommt er Besuch von seinem Händler, der die gefundenen Trüffel weiterverkauft. Doch als eines Nachts sein geliebtes Schwein entführt wird, will Robin Rache.

Pig ist kein normaler Rachethriller, wie man es bei dieser Einleitung vielleicht denken mag. Vielmehr solltet ihr Pig ohne jede Vorkenntnis genießen, denn genau dann entfaltet der Film sein volles Potential. Nicolas Cage spielt hier einen zerstörten Mann, der eigentlich nur seine Ruhe will- und natürlich sein Schwein. Und wir als Zuschauer begleiten ihn auf einer Reise, die ganz anders verläuft, als man es anfangs erwartet.

Filmkritik

In einem Waldstück nahe Oregon wird es Abend. Einige letzte Sonnenstrahlen blicken noch durch die dichten Baumkronen. Rob und sein Schwein Apple sind auf der Suche nach Trüffeln und werden auch fündig. Ein Mann und sein Schwein, beide leben zusammen schon seit langer Zeit alleine im Wald. Ein Wald, der wie ein Paradies wirkt. Bis man unter die Fassade blickt in die dreckige Realität: Der Film Pig beschönigt das harte Leben in der Wildnis nicht und romantisiert auch das Trüffelsammeln keineswegs. Und im Laufe des Films bricht dieser Mann namens Rob aus dieser einsamen Welt aus und kehrt zurück in eine noch viel einsamere, härtere, dreckigere Welt, in die Realität.

Nicolas Cage in Pig

Nicolas Cage ist ein versierter Schauspieler. Er hat schon die verschiedensten Rollen gespielt, vom aalglatten Romantiker in Moonstruck bis zum skruppellosen Kriegsprofiteur in Lord of War und zuletzt auch als Psychopath in Mandy. In seinem neusten Film Pig spielt er nichts davon. Vielmehr zeigt er sich als gebrochener, alter Mann, der mit dem Leben schon lange abgeschlossen hat und eigentlich nur seine Ruhe will. Aber weil er eine ganz besondere Beziehung zu seinem Trüffelschwein hat, wird er aus dieser Ruhe herausgezogen, als ebendieses entführt wird.

Jetzt könnte man denken, dass das eigentlich der perfekte Einstieg in eine seichte Rachestory ist. John Wick hat es vorgemacht: Aus einem eher absurden Grund, weil sein Hund entführt wurde, mordet sich der namensgebende Held des Films durch Gegnermassen und steht am Ende vor der Erkenntnis, dass es das definitiv wert war. Pig schlägt da in eine ganz andere Kerbe. Zwar ist der Einstieg ähnlich, doch ohne zu viel zu verraten, kann der hochgelobte Film aus der Thematik heraus eine viel bodenständigere Geschichte erzählen. Hier wird sich nicht durch Massen an bösen Buben gekämpft. Nein, hier entwickelt sich ein Charakterdrama, dass durch den fantastisch spielenden Nicolas Cage erst so richtig zum Leben erweckt wird.

Pig ist kein handelsüblicher Rachethriller. Immer dann, wenn man in einer Szene den großen Wutausbruch, die Entladung der Spannung, Gewalt oder Frust erwartet, wird die Erwartung gebrochen. Auf eine für mich unglaublich befriedigende, fast schon meditative Art und Weise. Auf eine für manch anderen vielleicht frustrierende, langsame oder antiklimaktische Art und Weise. Zumindest bei einer Sache werden sich wohl alle einig sein: Der Regisseur Michael Sarnoski baut in Pig so einige Situationen ein, die angenehm vertraut wirken und die dann in eine vollkommen andere, überraschende Richtung abdriften. Folgt man diesem Narrativ, kann man wohl sagen, dass der erste Langfilm des Regisseurs direkt mit den Erwartungen der Zuschauer spielt und diese mal enttäuscht, mal übertrifft.

Wenn ich ehrlich bin, dann wird dieser Film auch nicht jedem so gefallen wie mir. Denn dieses Spiel mit den Erwartungen kann durchaus frustrierend sein. Und obendrein ist die Fassade des Films mehr als nur unspektakulär. Die Farbsetzung, die Kameraarbeit, die Kostüme und letztendlich auch die triste Stimmung werden so manchen Filmfan abschrecken. Wer sich aber auf Pig einlässt, der wird eine melancholische Abhandlung über Einsamkeit, über die Liebe zu gutem Essen und die daraus folgende Kommerzialisierung, über Menschen am Abgrund und Menschen im Abgrund erleben.

Was mich aber so richtig begeistert hat ist der Star des Films: Nicolas Cage spielt ebenso ungewohnt wie fantastisch in diesem Film. Ich fand ja auch den umstrittenen Mandy mit ihm schon ziemlich gut. Aber mit seiner Performance in Pig zeigt er mal wieder, dass er nicht nur den apathischen Mörder spielen kann, sondern auch einiges an Tiefe zulässt. In Pig liefert Cage vermutlich die beste Performance seiner Karriere ab, und das mag was heißen.

pig nicolas cage alex wolff

Obendrein erfindet sich der erfahrene Schauspieler in diesem Film auch auf wundersame Art und Weise neu. Denn er spielt hier aus ruhiger Seele, mit perfekt akzentuierten Gefühlsausbrüchen und glaubhaften Emotionen. Dabei sollte man auch seinen Gegenpart, den jungen Amir (Alex Wolff) nicht vergessen, der über einen Großteil der Lauflänge seinen Begleiter spielt. Der ergänzt Nicolas Cage nämlich sehr gut und lässt auch selbst in einigen Momenten eine gewisse Charaktertiefe durchblicken.

Was der Film bei seiner Laufzeit von 94 Minuten fast schon vergessen lässt ist die Tatsache, dass wir es hier eigentlich mit einem Film zu tun haben, der auf zweiter Ebene auch die kapitalistische Maxime der Gewinneinbringung kritisiert. Denn Robin Feld ist ein Meisterkoch, der sich im Film geschickt zwischen Küchen-Fight-Clubs und Restaurant-Mafia bewegt und dabei immer er selbst bleibt. Doch er scheint, und das wird im Film nicht näher erklärt, irgendwie aus dieser Hochglanzwelt der Sternekochs entkommen zu sein, ob willentlich oder nicht. Was ihn dazu getrieben hat, kann man nur spekulieren.

Doch die scharfe Symbolik und die Kontrastsetzung aus einer Hochglanzwelt bestehend aus weißen Sternerestaurants, in denen Trüffel serviert werden und auf der anderen Seite die harte, aber auf wundersame Weise auch romantische Realität der Trüffelsammler, die zurückgezogen im Wald leben und mit der Welt dort oben gar nichts zu tun haben wollen, spricht doch Bände.

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Fazit & Bewertung

In seinen besten Momenten lässt uns Pig auf entwaffnende Weise die Menschlichkeit in einer kaputten Welt wiederentdecken. Und zeigt gleichzeitig, was für gute Schauspieler Nicolas Cage, aber auch Alex Wolff doch sind. Der Film spielt ständig mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und mag dadurch für den ein oder anderen frustrierend sein. Wer sich aber auf dieses Spiel einlässt, der erlebt einen fantastischen Film, der obendrein noch mit vernichtend ehrlichen Dialogen auftrumpft. Einzig die doch recht simple, oft triste Optik und die wenig innovative Inszenierung halten den Film davon ab, ein wahres Meisterwerk zu sein. Ein durch und durch ehrliches Werk über einen gebrochenen Mann. Eine Charakterstudie nicht nur über Nicolas Cage oder seine besondere Beziehung mit einem Schwein, sondern auch sein Verhältnis zu Alex Wolff.

Bewertung: 4 out of 5 stars



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