Skinamarink ist der langweiligste Horrorfilm, den ich je gesehen habe!

Ein Langfilm, der besser ein Kurzfilm hätte sein sollen. Eine Prämisse, die es so schon tausendmal vorher gab. Und die langweiligste Inszenierung, die ich je in einem Horrorfilm erlebt habe. All das ist Skinamarink. Warum mich der Experimentalfilm überhaupt nicht überzeugen konnte, ich aber trotzdem Hoffnung in den Regisseur hinter dem Streifen setze, lest ihr in meiner Kritik.

Filmkritik zu Skinamarink (2023)

Es ist Donnerstagabend. Ich komme gerade aus der Uni zurück und wollte mir jetzt noch was kochen. Kartoffelecken, Tsatsiki und gebratenes Gemüse gibt es. Leichte Kost, nicht zu viel und nicht zu wenig. Geht auch schnell. Ich freue mich auf einen Filmabend, weiß aber noch nicht so recht, welchen Streifen ich mir heute zu Gemüte führen könnte.

Eigentlich stehen so einige Klassiker auf der Watchlist. Oh man, Vertigo von Alfred Hitchcock ist eigentlich schon längst überfällig. Oder Eraserhead, natürlich das Original von David Lynch. Sollte es vielleicht doch was kurzweiliges sein? Den Super Mario Film aus dem letzten Jahr hab ich noch nicht gesehen, das wär doch was. Ich geh also auf Amazon Prime Video und schau nach, was der denn so kostet. 

Da wird mir plötzlich ein ganz anderer Film vorgeschlagen: Skinamarink, experimenteller Horror aus Kanada. Hab ich auch seit mindestens sechs Monaten auf der Watchlist, seit der große Hype da war. Auf Tiktok haben ihn manche als den gruseligsten Film bezeichnet, den sie je gesehen haben. Und im Angebot ist er auch noch, nur 99 Cent zum Leihen. Es ist also entschieden: Skinamarink wird mein Film für den heutigen Abend. 

Im Internet wird immer wieder empfohlen, den Film möglichst alleine und im Dunkeln anzusehen, dann kommt die Atmosphäre am besten rüber. Okay, alleine bin ich 🥲 und dunkel ist es auch. Stimmung passt ebenfalls, nur das leise Surren der PS5, auf der gerade Silent Hill: The Short Message installiert wird, gibt Aufschluss über Leben in meiner Wohnung. 

Film angemacht und direkt überrascht worden: Der Streifen ist definitiv “Found Footage” und die Bilder sind definitiv auf alt gemacht, so wie man es von schlechten Videoaufnahmen aus Kameras der 60er und 70er vielleicht kennt. Der Stil ist also schon mal eindeutig und erfrischend. Was dann aber folgt, ist die große Enttäuschung.

Ein Horrorfilm zum Einschlafen und eine riesengroße Zeitverschwendung!

Schon nach den ersten zehn Minuten ist mir klar: Dieser Film wird auf keinen Fall zu meinen Lieblingen zählen. Nochmal zehn Minuten später überlege ich mir schon, den Film vorzeitig abzubrechen. Ich bleibe nur aufgrund der immer weiter schwindenden Hoffnung auf eine einzigartige Horrorerfahrung dran. Doch die will einfach nicht kommen. Da gibt es nichts, da ist kein zweiter Boden, kein tieferer Sinn, kein Experimentalfilm, der irgendwas entlarvt. Am Ende ist da nur die Leere.

Und die unumstößliche Klarheit, dass ich gerade meine Zeit verschwendet habe. Dass ich ernsthaft 100 Minuten auf der Couch saß und ganz wortwörtlich der Wand beim Trocknen zugesehen habe. Wände, Steckdosen, Legobausteine. Alles wird in minutenlangen, nichtssagenden Kameraeinstellungen geradezu zelebriert. Die Langeweile ist erdrückend. Der Schrei nach irgendwas, was sie unterbrechen könnte, wird immer größer. Die Wut über diesen Film immer heftiger. Aber da ist einfach nichts, keine Befriedigung, keine “neue Erfahrung”, die man macht. Am Ende ist einfach das Ende.

Klar, jetzt könnte man sicherlich die Urängste vor der Dunkelheit aufführen, die der Film verarbeitet. Die unschuldige Angst von Kindern, dass da irgendwas unter dem Bett oder im Schatten der Nacht lauert. Vielleicht sogar, dass mit Skinamarink eine Missbrauchserfahrung verarbeitet werden soll. Schließlich ist der Regisseur des Films, Kyle Edward Ball, mit seinen Kurzfilmen über Alpträume seiner YouTube-Zuschauer bekannt geworden. 

Das logische Weiterdenken dieses Ansatzes, den man auf seinem Kanal “Bitesized Nightmares” betrachten kann, ist sicherlich Teil des Entstehungsprozesses von Skinamarink. Nur hätte Balls bei dem Format, das seine YouTube-Videos so einzigartig macht, bleiben sollen: Der knappen Inszenierung und ihrem Format als Kurzfilm. Die Idee von Skinamarink ist simpel: Zwei Kinder wachen eines Nachts in ihrer Wohnung auf, von den Eltern keine Spur. 

Und plötzlich passieren unheimliche Dinge. Dieses Konzept hätte sicherlich in einem Kurzfilm, vielleicht in 20, 30 Minuten sehr gut funktioniert. Selbst die lächerlich langsame Inszenierung, wenn man sie denn überhaupt so nennen kann, wäre dann kein Problem gewesen. Aber diese Idee dann auf 100 Minuten zu strecken, tut dem Film einfach überhaupt nicht gut. 

Von einem Spielfilm dieser Länge erwartet man einfach eine Story, Charaktere und gewisse Konventionen. Und, das ist explizit meine Meinung und ich bin mir bewusst, dass man das auch anders sehen kann: Will man einen Avantgardefilm drehen, dann muss der nicht 100 Minuten lang sein. Eines der prominentesten Beispiele dafür ist “Un chin andalou” von Luis Buñuel und Salvador Dalí, der nicht ohne Grund noch heute als surrealistisches Meisterwerk gefeiert wird. Und gerade einmal 16 Minuten lang ist.

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Fazit und Bewertung

Skinamarink mag für den ein oder anderen sicherlich funktionieren. Immerhin zeigt allein schon die Verteilung der Sternebewertungen auf letterboxd genau das. Aber für mich war das einer der langweiligsten und nichtssagenden Horrorfilme aller Zeiten. Die Inspirationen an Streifen wie Blair Witch Project oder Paranormal Activity sind klar erkenntlich, Skinamarink kann mit diesen Vorbildern jedoch zu keiner Zeit mithalten. Ich bin mit gewissen Erwartungen an den Film herangegangen, wurde aber auf ganzer Linie enttäuscht. Nicht nur ist der Film zum einschlafen, er hat mich an manchen Stellen sogar wütend gemacht.

Weil mir meine Zeit einfach zu Schade ist, um eine gefühlte Ewigkeit auf Wände, Teppiche, Steckdosen oder Legosteine zu starren, ohne das irgendetwas passiert. Und trotzdem habe ich Hoffnung in den Filmemacher Kyle Edward Balls, der mit Skinamarink immerhin beweist, dass er ein gewisses Stilbewusstsein hat und zumindest die Ästhetik des Films lobend zu erwähnen ist. Wenn dabei jetzt noch ein vernünftiger Film mit Charakteren, Spannung und einer richtigen Geschichte dabei rum kommt, dann habe ich zumindest Hoffnung in die zukünftigen Projekte von Balls. Das Horrorkino braucht seit Jahren frischen Wind, den Filme wie zuletzt etwa PEARL oder TALK TO ME geliefert haben.


Zum einschlafen langweilig – so kann man Skinamarink wohl passend beschreiben. Und auch nicht mit viel mehr, denn bis auf Kameraeinstellungen von Wänden, Teppichen und Legosteinen hat der Horrorfilm von Kyle Edward Balls nicht viel zu bieten.

Letterboxd ->

Bewertung:

0,5


Skinamarink ist ab sofort zum Streamen verfügbar.

© Copyright aller Bilder bei ERO Picture Comp./IFC Midnight/Shudder.

Lukas Egner

Ich bin der Gründer von filmfreitag und schaue leidenschaftlich gerne Filme und Serien aus jedem Genre. Ich bin 21 Jahre alt, studiere momentan Politik- und Medienwissenschaften und schreibe als freier Autor für verschiedene Film- und Videospielmagazine.

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