Star Wars Andor: Eine neue Hoffnung für das Franchise?


Erst diesen Mittwoch erschien (schon wieder) eine neue Serie aus dem Star Wars Universum auf Disney Plus. Diesmal entführt uns die Sternensaga in die Unterwelt rund um Gangsterbosse, Spione und Cassian Andor (Diego Luna), der auch schon im Spinoff-Film Rogue One eine wichtige Rolle gespielt hat. In meiner Kritik erfahrt ihr alles Wichtige zur Serie und ihrer Qualität.

Um was geht’s?

Ich hatte ja schon fast die Hoffnung aufgegeben, als vor nicht einmal einem halben Jahr die langerwartete Solo-Serie zu Obi-Wan-Kenobi bei Disney Plus anlief. Klar, sie hatte einige coole Fan-Momente, hat mich in meiner Kritik damals aber überhaupt nicht überzeugt. Später im Jahr wurden dann auf der D23-Messe von Disney sprich- und wortwörtlich unzählige neue Projekte aus dem Star Wars Universum angekündigt.

Für den ein oder anderen ging da die Spinoff-Serie zu einem Rebellen aus Rogue One namens Andor fast schon unter. Jetzt sind die ersten drei Folgen beim Streaminganbieter erschienen und konnten zumindest die kleine Flamme der Hoffnung, dass aus dem Star Wars Universum auch mal wieder was Gutes kommt, bei mir wieder entflammen!

Die Serie spielt ungefähr fünf Jahre vor der Schlacht von Yavin, also zwischen Episode 3 und 4 der Sternensaga. Wir folgen dem späteren Rebellengeneral Cassian Andor (Diego Luna), der in Rogue One: A Star Wars Story seinen großen Auftritt haben wird, in seinen Anfangstagen als einfacher Schmuggler. Und wir begleiten ihn, wie er langsam aber sicher zu einer immer wichtigeren Figur in der Rebellenallianz wird.

Das ganz andere Star Wars

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Cassian Andor verkörpert den Anti-Helden in der neuen Disney-Plus-Serie. (Quelle: Disney/Lucasfilm)

Für viele ist Star Wars vor allem das: Der Kampf Gut gegen Böse, tragische Geschichten über Helden und gefallene Jedi, epische Lichtschwertkämpfe und wuchtige Science-Fiction-Sets. All das ist Andor ganz bewusst nicht. In einem Interview über die Serie meinte der Hauptdarsteller, Diego Luna, dass Andor das „bodenständigste Projekt aus dem Universum von Star Wars“ ist.

Und genauso ist es auch! Die ersten Folgen begleiten wir einem stinknormalen Typen durch seinen Alltag während der Herrschaft des Imperiums. Wir erleben die harte Arbeitswelt der Bewohner eines weit außerhalb gelegenen Planeten, die dreckige Realität, auf der das Imperium aufgebaut ist.

Wir sehen Figuren voller Dreck, die aus den riesigen Mienen, Bergwerken und Arbeitslagern kommen und in Bordellen absacken. Ja, richtig gehört. Es gibt in Star Wars jetzt Freudenhäuser. Oder zumindest die Andeutung von diesen. Schon in den ersten Minuten begleiten wir Cassian Andor in einen dieser Clubs.

Zwar bekommen wir als Zuschauer jetzt keine expliziten Darstellungen von Sex oder nackte Körper zu Gesicht. Aber die Andeutungen, die während den Szenen und Dialogen gemacht werden, sind eindeutig. Und damit wird Star Wars nicht nur verdammt bodenständig und realistisch, sondern auch erwachsener denn je.


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Episode 3 rockt (in zweierlei Hinsicht)!

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Der Kampf zwischen Obi-Wan und Anakin auf Mustafar, aber auch Episode 3 als Ganzes, stehen für das erwachsengewordene Star Wars. (Quelle: Disney/ Lucasfilm)

Ich bin ja jemand, der die Prequel-Trilogie, vor allem Episode 3, gerne verteidigt. Nicht alles an den Filmen von George Lucas war gut, das gebe ich zu. Gerade Episode 1 und 2 hatten viele, viele Schwächen (übrigens auch in meinem Ranking nachzulesen). Und trotzdem haben mir die politischen Intrigen und der Aufstieg des Imperators als Allegorie auf den Aufstieg der Nationalsozialisten immer sehr gefallen.

Auch damals hat sich Star Wars gewandelt zu einem sehr erwachsenen Film, der selbst übelste Verbrennungen und Hasstriaden auf Mustafar zeigt. Dadurch hat die Sternensaga einen ähnlichen Weg eingeschlagen, wie es jetzt Andor tut: Sie ist bodenständiger, weil realitätsbezogener geworden. Das mag vielen nicht gefallen haben, weil gerade der Eskapismus oft den Reiz an solchen Universen ausmacht.

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Und doch versteht sich George Lucas als Künstler. Und Kunst ist immer ein gesellschaftspolitischer Kommentar. So auch Andor. In den ersten drei Episoden wird eine Welt gezeichnet, in denen keine Figur absolut moralisch handelt. Nein, Cassian tötet zwei prinzipiell Unschuldige gar einfach so. Wie er es auch schon in Rogue One gemacht hat, als er keinen Ausweg vom Imperium mehr sah und dann im eigenen Interesse seinen Kollegen umgebracht hat.

Und um auf Episode 3 der Serie zu kommen, sollte man wohl sagen, dass man in dieser fast schon Mission: Impossible oder James Bond Vibes gespührt hat. Deckungs-Schießereien, abtrünnige Agenten und angespannte Dialoge. Da war einfach alles dabei, was das Spionagefilm-Fanherz begehrt!

Blade Runner und Cyberpunk

Auch die Kulisse, vor der Star Wars: Andor spielt, erinnert nicht ohne Grund an Meisterwerke wie Blade Runner. Eine dystopische Cyberpunk-Stadt, die kontrolliert wird von einem Megakonzern. Das interessante: Dieser Megakonzern kopuliert ganz offenbar mit dem faschistoiden Imperium, einem unterdrückenden Regime.

Das sehen wir anhand der in blau-orangen Uniformen umherlaufenden Wachmänner des Konzerns, die später Cassian verfolgen. Wie auch schon im Nationalsozialismus unterstützt eine kapitalistische Elite ein Regime, dass seine Bürger massiv unterdrückt. Ein sich als „die Mitte“ tarnendes Unternehmertum verfolgt massive Gewinninteressen und schreckt dabei nicht vor einem Pakt mit dem Teufel zurück.

Da braucht es in Andor dann auch gar nicht die klassischen Sturmtruppen, um einen Bezug zu den real existierenden Sturmtruppen (SS und SA) der Nazis herzustellen. Interessant finde ich bei solchen Produktionen ja immer, wie hier Großkonzerne porträtiert werden, obwohl real existierende Großkonzerne, hier Disney, hinter alledem stecken.

Das zeigt wiederum auch das große Problem unserer Gesellschaft: Wir sind im Klassendenken schon so abgestumpft und indoktriniert, dass vielen der Bezug zur Kritik am Kapitalismus und Faschismus überhaupt nicht mehr auffällt. Hier könnte man sicherlich jetzt eine Abhandlung über die Probleme der modernen, gesellschaftlichen Linken schreiben.

Aber ich will es für heute bei der oben geschriebenen Kurzanalyse belassen. Kommen wir vielmehr noch  zur technischen Seite von Star Wars: Andor, die mich sehr begeistern konnte:

Star Wars Andor: Endlich echte Sets

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Mit echten Sets will Andor auf Disney Plus überzeugen. (Quelle: Disney/ Lucasfilm)

Was Andor ebenfalls anders macht als alle anderen Realfilm-Adaptionen, die bei Disney Plus bisher erschienen sind: Man setzt wieder auf echte Sets! In The Mandalorian, The Book of Boba Fett oder zuletzt Obi-Wan-Kenobi wurde auf die sogenannte Virtual Production gesetzt. Das ermöglicht sozusagen die Projektion von virtuellen Sets auf riesige Leinwände, mit denen die Schauspieler dann interagieren können.

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Die Sets, die projiziert werden, stammen aber meist aus dem Computer. Diese Technik mag zwar eine Verbesserung zum Greenscreen sein, mit dem George Lucas seine Schauspieler in der Prequel-Trilogie interagieren ließ. Und trotzdem wirkten die Sets auf mich zumindest meist recht zweidimensional, eher wie Puppenhäuser, in die man die Schauspieler gesteckt hat.

Mit Andor kehrt man jetzt wieder zu – zumeist – echten Sets zurück. Die werden natürlich trotzdem noch mit Computereffekten ergänzt, fühlen sich meiner Meinung nach aber trotzdem deutlich plastischer und dreidimensionaler an als in Obi-Wan-Kenobi und The Mandalorian.

Und sie lassen eine Tiefe und Bodenständigkeit erkennen, die davor gefehlt hat. Die Sets wirken wieder wie echte Sets, Charaktere sind dreckig, nichts wirkt glattgebügelt. Auch das trägt zum oben beschriebenen, ganz anderen Star Wars Gefühl bei. Man folgt eben den einfachen Leuten bei ihren täglichen Geschäften. Und auch wenn die Musik nie an John Williams heranreichen wird, ist sie mir in den ersten drei Folgen auch nicht als schlecht aufgefallen.


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Fazit

Auch wenn wir später in der Staffel, die ja aus zwölf Folgen bestehen soll, sicherlich noch einige größere Bezüge zum Star Wars Universum zu Gesicht bekommen werden, fühlt sich Andor bis jetzt recht abgekoppelt vom ganzen Krieg der Sterne an. Und das ist gut so! Wir brauchen nicht die zehnte Spinoff-Serie zu bereits bekannten Charakteren, sondern neue Experimente, die Star Wars wirklich bereichern.

Bis jetzt wirkt Star Wars: Andor wie eine wilde Mischung aus Science-Fiction-Krimi, Mission: Impossible und James Bond. Hier den richtigen Weg aus dem Gemisch zu finden, wird entscheidend für die weitere Qualität der Serie sein.

Dass sich Andor an schwierige Themen, wie Kapitalismuskritik oder den Klassenkampf der einfachen Arbeiter gegen ein faschistoides Regime wagt, ist mutig und begrüßenswert. So kann es gerne weiter gehen. Auch wenn ich noch nicht vollständig von der zu Grunde liegenden Geschichte rund um Cassian Andor und seinen Aufstieg zu einem führenden Mitglied der Rebellenallianz überzeugt bin, stimmen mich die ersten drei Folgen zumindest sehr positiv.

Wie seht ihr das? Habt ihr Andor schon gesehen oder es noch vor? Wie haben euch die ersten drei Folgen gefallen? Lasst uns gerne in den Kommentaren diskutieren!

Star Wars: Andor startet am 21. September 2022 auf Disney Plus.

© Copyright aller Bilder bei Disney/ Lucasfilm.


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