The Batman Kritik: Der politische Superheld


The Batman ist erfolgreich in den Kinos gestartet. Mit einer neuen Inkarnation des Fledermausmannes schafft Matt Reeves etwas, das Christopher Nolan schon in Ansätzen erreichte: Den dunklen Rächer als verletzlichen, vor allem aber gespaltenen Charakter darzustellen und gleichzeitig den politischsten Superheldenfilm zu drehen.

Um was geht’s?

Eigentlich erzählt The Batman eine recht simple Geschichte rund um eine Reihe von Morden, die aufgeklärt werden wollen. Und der dunkle Rächer, gespielt von Robert Pattinson (Tenet, The Lighthouse), hilft der Polizei dabei, diese Aneinanderreihung von Kriminalfällen zu lösen. Dabei bleibt es jedoch nicht bei den martialisch verübten Morden, denn schnell wird klar, dass es dem Riddler (Paul Dano) um viel mehr geht. Aus dieser Prämisse entspinnt sich ein dreistündiges Epos, das nach der „The Dark Knight“-Triologie von Christopher Nolan wohl zu dem besten zählt, was dem Superheldengenre seit Langem wiederfahren ist.

Filmkritik zu The Batman

the batman robert pattinson

The Batman ist ein weiterer Interpretationsversuch eines der wohl bekanntesten Superhelden unserer Zeit. Im neuen Film von Matt Reeves wird uns ein Batman vorgestellt, der weder stadtbekannt noch überhaupt etabliert ist in Gotham. Der dunkle Rächer steht in diesem Film mehr denn je am Anfang seiner Karriere als Fledermausmann. Viele Einwohner Gothams kennen Batman entweder gar nicht oder machen sich über den Mann im Superheldenkostüm lustig, der einen auf Detektiv macht.

Und Detektiv ist das Stichwort: Denn ebenfalls mehr denn je ist The Batman eine Detektivgeschichte mit allem, was dazu gehört: Einem mysteriösen Serienmörder, einer Stadtkulisse, die bedrückend und schmutzig wirkt und Charakteren, die, anders als in anderen Superheldenfilmen, noch Charaktere sind (siehe dazu meine Kritik zu Eternals).

Was The Batman so besonders macht und aus der Masse an anderen Superhelden-Filmen, deren Vertretung in letzter Zeit ja vor allem durch Marvel geprägt ist, hervorhebt, ist ein simpler, für manche gar widersprüchlicher Fakt: Eigentlich ist Matt Reeves Interpretation des dunklen Rächers gar kein Superheldenfilm. The Batman bedient sich zwar am Charakter eines Superhelden, will aber viel mehr ein Detektiv-Noir-Film mit Thriller-Elementen sein.

Diesen Spagat, zum einen noch als Superheldenfilm durchzugehen und trotzdem viel mehr als das zu sein, gelingt The Batman nahezu perfekt. Robert Pattinson spielt einen sich selbst erst noch findenden Mann, der keineswegs der coole und abgeklärte Superheld ist. Vielmehr ist er in manchen Momenten selbst noch nicht ganz sicher, ob er ein Held sein will oder doch viel lieber die Justiz in Form von Gewalt und illegalen Methoden selbst in die Hand nimmt.

Diese Art des Zwiespalts ist bei Batman, viel mehr als bei jedem anderen Superhelden, Teil des Charakters. Ein gutes Beispiel, wie das schon einmal in einem Film umgesetzt wurde, liefert hier die von Christopher Nolan inszenierte „The Dark Knight“-Triologie: Im zweiten Film der Reihe gibt es eine Verhörszene zwischen Batman und dem Joker. Während diesem Verhör verhält sich Batman ganz und gar nicht heldenhaft, vielmehr versucht er mit Gewalt und Folter an wichtige Informationen des Jokers heranzukommen.

Der neue Batman-Film treibt diese Art der Inszenierung noch auf die Spitze und lässt sogar zu, dass der Riddler in manchen Momenten den Zuschauer gar fast überzeugt, Batman sei hier der Schurke. Zumindest mit einigen Rechtfertigungen und mitunter höchst politischen Forderungen werden sich viele im Kinosaal zumindest auseinandersetzen und sie verstehen. Denn mehr als alle anderen Superheldenfilme der letzten Jahre, die sich ja häufig eher als Möglichkeit des Eskapismus verstehen und möglichst glattgebügelt einem großen Publikum präsentiert werden sollen, ist The Batman ein höchst politischer Film.

Das Filme, Serien und andere Medien generell immer politisch sind, habe ich vor über einem halben Jahr schon mal in einer Kolumne erläutert (hier nachzulesen). Was diesen Film allerdings besonders macht, ist die Tatsache, dass viele Kinobesucher wohl nicht mit der Erwartung in einen vermeintlichen Superheldenfilm gehen, jetzt einen Brocken Gesellschaftskritik gemischt mit einer Prise „Realitätseinholung“ vorgesetzt zu bekommen.

Was meine ich damit? Zunächst einmal war Batman als Charakter und die Welt, in der er lebt, schon seit den ersten Comics immer einer der realsten, weil ehrlichsten Superhelden. Batman als Charakter funktioniert häufig so gut, weil die Welt, in der er lebt ihn erst zu dieser Art Held gemacht hat: Er ist keineswegs ein lupenreiner Moralapostel. Gotham ist den gefährlichen Straßen des New Yorks der 70er nachempfunden. Gewalt, Armut und Kriminalität stehen hier an der Tagesordnung. Und darum lässt sich auch ein Superheld zu moralisch fragwürdigen Taten verleiten, und sei es im Namen der Gerechtigkeit.

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Hinzu kommt besonders im neusten Batman-Film, dass unser Held eben noch nicht in Gotham etabliert ist. Weder die Polizei noch die Bevölkerung nimmt den maskierten Detektiv anfangs ernst. Auch das führt dazu, dass sich Bruce Wayne amoralischen Entscheidungen oft leichter zuwendet als frühere Batman-Inkarnationen. Die politische Tragweite von The Batman wird aber auch bei seinem Gegenspieler, dem Riddler, erkennbar:

Nicht nur schließt er sich dem Vorbild von Batman an, die Justiz selbst in die Hand zu nehmen und ermordet deswegen ranghohe Politiker und Führungspersönlichkeiten, die korrupt sind. Seine Inszenierung als Spross eines Internetphänomens lässt auch Parallelen zur Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger im letzten Jahr zu. Damals versammelten sich vor dem repräsentativen Kern der amerikanischen Demokratie Radikale und Extremisten, um diesen repräsentativen Kern zu zerstören.


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Angestachelt und letztendlich getrieben wurden diese Menschen vor allem durch andere Menschen aus ihrer eigenen Blase. Aus einer Blase im Internet, in der sich eben Radikale mit ähnlichen Ansichten finden. Und durch Donald Trump, der damals noch ein eigenes Konto auf Facebook und Twitter besaß und darüber Falschinformationen und Aufrufe zum Wahlboykott teilte. Ähnlich wie es der Riddler im neuen Batman tut. Ist Donald Trump also ein Batman-Schurke unserer realen Welt?

Auch die Charaktere im neuen Batman-Film sind zum Großteil wirklich gelungen geschrieben und entwickeln sich nachvollziehbar. Wie ich schon sagte erleben wir hier einen Batman, der noch ganz am Anfang seiner Charakterentwicklung steht. Und genauso verhält es sich mit seinem Polizeikumpanen James Gordon (Jeffrey Wright), der noch gar keine ausgeprägte Beziehung zu Batman hat. Und apropos Beziehung: The Batman präsentiert uns auch die wohl beste Catwoman jemals. Zoe Crawitz spielt die gewitzte, charismatische und trotzdem absolut tödliche Frau im Katzenkostüm hervorragend. Ihr gelingt hier ein Mix aus Femme Fatale und liebenswürdiger Verbündeter von Batman.

Einzig über ihre Freundin, die einen der Hauptplots des Films ins Rollen bringt, hätte ich vorher mehr erfahren wollen. Denn es wird zwar ständig über diese Freundin gesprochen und sie ist auch die Motivation, warum sich Catwoman überhaupt mit Batman verbündet. Doch über die Hintergründe von ihr erfährt man den gesamten Film über nichts. Zwar verkörpert sie nur eine kleine Rolle, aber eben eine verdammt wichtige, die, wäre der Film ansonsten nicht so gut, ein ganzes Plotkonstrukt hätte zum Einsturz bringen können. Ach, und fast vergessen hätte ich auch Alfred, Batmans Butler. Der hat in diesem Film leider kaum Screentime, obwohl er vom grandiosen Andy Serkis gespielt wird. Und damit kommt auch dieser Charakter leider zu kurz.

Um jetzt erstmal abzuschließen mit der gesamten inhaltlichen Interpretation möchte ich abschließend noch auf einige technische und inszenatorische Dinge eingehen, die The Batman mehr oder weniger gut macht. Wenn man die letzten Tage im Internet unterwegs war, ist man vielleicht über dieses Meme hier gestoßen:

the batman meme

Was sagt dieses Meme nun über den Film aus? Naja, dass The Batman an manchen Stellen echt ein bisschen zu düster ist, selbst für den dunklen Rächer. Klar, hier wird eine ganz eigene Atmosphäre mit den Bildern erzeugt und der Film sieht auch die allermeiste Zeit über wunderschön aus. Gerade wenn man sich in den Straßen Gothams bewegt oder die Stadt aus einer größeren Perspektive betrachtet. Und doch hätte dem Film an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Licht gut getan.

Auch die Kameraarbeit im Allgemeinen ist eher konventionell. Es gibt einige beeindruckende Aufnahmen (Stichwort: Szenen auf Dächern), größtenteils ist The Batman aber weder besonders mutig noch besonders langweilig gefilmt. Eben ein Mittelding, das ganz gut zum Ton des Films passt.

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Apropos Ton, diesmal im Sinne von audiovisuellem Ton: Dieser ist hier wirklich grandios gelungen. Der Soundtrack prägt sich unheimlich gut im Ohr ein und die tonale Unterlegung ist immer den Szenen angepasst, mal wuchtig, etwa wenn wir eine Autoverfolgungsjagd erleben, mal traurig, wenn wir mit zwei Charakteren mitfiebern. Was mir jedoch negativ aufgefallen ist, und das kann, darauf will ich explizit hinweisen, an der Soundanlage meines Kinos gelegen haben, ist die Audio-Abmischung. Denn oft war der Ton in Actionszenen einfach zu laut, geradezu dröhnend auf eine negative Art und Weise.

Fazit & Bewertung

The Batman ist ein grandioser Film. Vielleicht kein lupenreiner Superheldenfilm, viel mehr ein Detektiv-Noir-Streifen mit Thriller-Elementen. Und trotzdem tut ihm gerade diese Ausrichtung so gut. Warner Bros. und DC schaffen seit einiger Zeit mit ihren Filmen, besonders Joker von 2019 und jetzt eben The Batman einen Gegenentwurf zum Marvel-Kino, dass sehr viel mehr auf glattgebügelte Helden, abstraktere Probleme und mehr Fanservice setzt als es DC tut. Und das ist gut so. Erst ein Gleichgewicht lässt schließlich eine bessere Kinolandschaft entstehen.

Zwar hat The Batman auch seine Schwächen, allen voran das Ende, das für mich sehr enttäuschend war. Auch manche Kamera-Entscheidungen sind wenig nachvollziehbar und besonders ein unterentwickelter Charakter hätte den gesamten Plot beinahe zum Einsturz gebracht. Genau deswegen ist der Film auch kein Meisterwerk, zu dem ihm manche Kritiker schon gemacht haben. Aber er ist eben einer der wohl besten Superheldenfilme aller Zeiten und erzählt dazu noch eine spannende Detektiv-Geschichte. Ein Kinobesuch lohnt sich definitiv!

4 out of 5 stars

The Batman kann man bei Amazon Prime Video kaufen.

© Copyright aller Bilder bei Warner Bros.


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DDRMaennchen
DDRMaennchen
19. April 2022 15:04

Der Vergleich mit Trump und dem Kapitol ist schon in die Ecke “Cringe” zu stellen. Auch dass Serien und Filme politisch sind, ist ein alter Hut….so alt wie das Medium selbst. Der Film wäre vor 20 Jahren ebenso “aktuell” gewesen (bis auf technische Kontexte zur realen Welt) wie er es auch in 20 Jahren sein wird. Alles schonmal gesehen und gehört. So”Wayne” 😉

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