The Tomorrow War Kritik: Billige Allegorie auf den Klimawandel?

The Tomorrow War ist der wohl teuerste Film, den Amazon für ihren On-Demand-Service Prime-Video je in Auftrag gegeben hat. Aber wie gut ist der Film mit Chris Pratt wirklich und steckt vielleicht mehr hinter der Prämisse des Films?

Einführung

Stellt euch vor, wir wissen, dass uns im Jahr 2050 der Klimawandel einholen wird und wir vor einer riesengroßen Katastrophe stehen. Wenn wir bis dahin nicht handeln, wird unsere Erde nie wieder die Selbe sein und nachfolgende Generationen vielleicht gar nicht mehr das Licht der Welt erblicken können.

Was würden wir als Menschheit tun? Wie würden wir handeln? Würden wir uns zusammenreißen und als globale Einheit endlich den Klimaschutz vorantreiben, um solch ein Horrorszenario zu verhindern? Wie man momentan sieht, scheinbar nicht. Denn genau vor diesem Szenario stehen wir ja gerade. Und die Menschheit scheint es nicht zu kümmern. Die Politik scheint es nicht zu kümmern.

In einer alternativen Realität, nämlich in der des Films The Tomorrow War, haben wir es mit einer ähnlichen Ausgangslage zu tun wie hier bei uns, auf der echten Erde. Nur dass das zukünftige Problem, der „Krieg von Morgen“ nicht der Klimawandel, sondern hungrige, menschenfressende Aliens sind, die im Jahr 2050 auf unserem Planeten landen. Es gibt eine „Zeitbrücke“, durch die wir Menschen aus dem Jahr 2022 nach 2050 bringen können, wo sie die Aliens bekämpfen sollen. Und plötzlich vereinigen sich alle Regierungen der Welt, um die Katastrophe zu verhindern.

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Chris Pratt soll mit seinen Kollegen in The Tomorrow War die Menscheit retten. Vor hungrigen Aliens.

Der Film ist von und mit Chris Pratt („Guardians of the Galaxy”). Zusammen mit ihm trumpfen noch Yvonne Strahovski, Betty Gilpin und natürlich J.K. Simmons auf, die miteinander einen hochkarätigen Cast ergeben. Aber kann der Film da mithalten? Finden wir es heraus im #filmfreitag Nummer 5!

Den Klimawandel wegballern

Die Geschichte hinter The Tomorrow War klingt natürlich erst mal total bescheuert. Aliens haben im Jahr 2050 fast die gesamte Menschheit vernichtet, weswegen jetzt Menschen aus 2022 in die Zukunft geschickt werden, um sich um das Problem zu kümmern.

Wer jetzt denkt, der Film sei eine klare Allegorie auf den Klimawandel, der hat nur zum Teil recht. Klar, die Aliens stehen für das Klima, das für uns Menschen in der Zukunft mal gefährlich wird, und die Menschen stehen halt, naja, für uns Menschen.

Der Film macht es sich allerdings sehr einfach, eine Lösung für das Problem zu finden: Wir müssen die Aliens einfach wegballern. Na, wenn das beim Klimawandel auch so einfach wäre. Zusätzlich wirft der Film die Frage auf, wie sehr wir Menschen bereit wären, uns für zukünftige Generationen zu opfern. Denn nur 30% derer, die in die Zukunft geschickt werden, kommen auch wieder zurück.

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Menschen aus der Zukunft warnen uns bei der WM 2022 in Katar vor einer Katastrophe, die erst in 28 Jahren passiert.

Und letztendlich lässt The Tomorrow War sogar eine erzkonservativ-liberale Note durchscheinen: Ein Serum soll das Wundermittel gegen die Aliens sein. Mit diesem Serum soll der künftige Krieg gewonnen werden. Das erinnert doch sehr stark an die Antworten von neoliberalen Politikern auf die Frage nach einer Lösung für das existenzielle Problem unserer Zeit: Innovation und technischer Fortschritt sollen den Klimawandel verhindern. Wenn wir nur alle Hoffnung dahinein stecken, wird alles gut. Eine fatale Message, die der Film reproduziert.

Actiongeladenes Spektakel ohne Sinn und Mehrwehrt

Ok, bewegen wir uns jetzt mal weg von etwaigen politischen Botschaften, die der Film implizit oder explizit vermitteln will und hin zu den Schauwerten des Action-Blockbusters aus dem Hause Amazon. Denn wer genau darauf Lust hat, wird nicht enttäuscht.

Die Aliens sehen, genau wie in A Quiet Place, hervorragend aus. Die gesamte Action des Films macht Spaß und die einzelnen Szenen setzen auf ansehnliches CGI. Chris Pratt ist in seiner Rolle des coolen Actionhelden natürlich ein Abziehbild von ebendiesem. Aber was erwartet man denn?

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Irgendwie bedrohlich, aber auch cool: Die Aliens in The Tomorrow War.

Naja, man würde erwarten, dass die Action gehaltvoll ist. Vielleicht nicht generisch. Aber das ist sie in diesem Film leider. Man fragt sich doch an der ein oder anderen Stelle nach dem Sinn und Mehrwert eines solchen Spektakels, vor allem, wenn der Film absolut unoriginell daherkommt. Und dann bleibt halt nicht viel übrig von der gut inszenierten Action und den tollen Computereffekten. Wenn man sie eh am nächsten Tag vergessen hat.

Logiklöcher noch und nöcher

Wie bei jedem Film, bei dem es um Zeitreisen geht, kann man ihn durch ein Wort seiner ganzen selbstgestellten Logik entreißen: das Großvaterparadoxon. Und das ist sogar bei Reisen in die Zukunft möglich, also auch bei The Tomorrow War.

Aber da endet es bei diesem Film bei Weitem nicht: Sämtliche Strategien des angeblichen Militärs gegen die Aliens sind zumindest fragwürdig, oft sogar von vorherein zum Scheitern verurteilt. Wer hier irgendeine Logik oder gar glaubhafte Wissenschaft erwartet, wird enttäuscht.

Aber jemandem, der mit einer solchen Ernsthaftigkeit an Filme wie diesen herangeht, ist wohl eh nicht mehr zu helfen. Dass er Logiklöcher hat, dass er schlechte Ausreden benutzt für den Fakt, dass es nur eine Route in die Zukunft und nur eine zurück gibt, all das ist dem Film bewusst. Er hat nicht den Anspruch auf irgendeine Logik. Ob das dem Zuschauer gefallen muss, ist eine andere Frage.

Noch Fragen?

Chris Pratt ist mal wieder Chris Pratt, was heißt, dass er sich Mühe beim Schauspielern gibt. Aber „er gab sich Mühe“ hieß ja schon im Schulzeugnis früher nichts unbedingt Gutes. Ebenso sieht es bei seinen Kollegen aus: Die hätten zwar alle Potenzial, und man kennt sie ja auch aus Filmen, wo sie ihr schauspielerisches Potenzial ausschöpfen (J.K. Simmons seit Kurzem z.B. in Palm Springs). Bei The Tomorrow War tun sie das aber nicht.

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Eigentlich ein hochkarätiger Cast, dessen Potenzial im Film aber verschenkt wird.

Ich könnte jetzt noch stundenlang über die Schauspielleistungen von Chris Pratt, Yvonne Strahovski oder J.K. Simmons schreiben, aber ich glaube, das will der Film gar nicht. Das man zu sehr über ihn nachdenkt. Amazon Prime macht sogar selbst Memes auf Instagram über die sinnlose Geschichte. Wer mit so einem Bewusstsein einen Film veröffentlicht, ist sich über alle Kritikpunkte, die über das Werk aufkommen könnten, wahrscheinlich schon lange im Voraus bewusst.

Fazit

The Tomorrow War ist eine Geschichte über Aliens. Und für alle, die eine Sekunde darüber nachdenken, auch eine Geschichte über den Klimawandel und die Menschheit. Und für alle, die noch eine Sekunde länger nachdenken, auch ein absolut sinnloser und doch kurzweilig unterhaltsamer Action-Blockbuster.

Vielleicht will der Film nicht mehr sein. Vielleicht interpretiere ich zu viel in dieses Werk hinein. Aber es lässt sich festhalten, dass es zu allen Themen, die der Film aufmacht, bessere Alternativwerke gibt. Schaut euch lieber Tenet oder Edge of Tomorrow an. Aber wenn ihr eh ein Amazon-Prime-Abo habt, dann könnt ihr ihn euch an einem gelangweilten Abend ja gerne zu Gemüte führen. Wenn die Erwartungen gering sind und ihr nur ein bisschen Action ohne wirklichen Gehalt sehen wollt.

Mehr ist The Tomorrow War leider nicht, auch wenn hinter der Grundprämisse des Streifens viel Potenzial liegt. Aber wer will schon eine Debatte über Klimaschutz oder Konservatismus auslösen, wenn man mit Amazon einen willigen Geldgeber hat, der für viele Probleme, die man dann ansprechen müsste, mitverantwortlich ist?

Bewertung: 2 out of 5 stars



Wie immer gilt: Wenn ihr den Film schon gesehen habt, schreibt mir mal eure Eindrücke in die Kommentare. Und für alle, die jetzt vielleicht doch eine andere Empfehlung für den Filmabend am Wochenende brauchen, empfehle ich Love, Simon. Meine Kritik dazu gibt’s hier.

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6 Gedanken zu „The Tomorrow War Kritik: Billige Allegorie auf den Klimawandel?

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